- Analoge Fotografien von intimen (Alltags-)momente einer blutenden Person
- 2x analoge Fotografien in schwarz/weiß (13x18cm)
- 2x analoge Fotografien + digitale Nachbearbeitung (DINA3)
- Thema: Ästhetik und Ekel, Blut, Verbundenheit mit dem eigenen Körper
Seit ich elf Jahre alt bin, blute ich.
Sechzehn Jahre lang wurde mir beigebracht, diesen Teil meines Körpers zu verstecken, zu kontrollieren und möglichst unsichtbar zu machen. Meine Periode sollte leise sein, sauber, unkompliziert – angepasst an einen Alltag, der wenig Raum für Menschlichkeit lässt.
Monat für Monat, Zyklus für Zyklus habe ich versucht, diesem Teil meines Daseins möglichst wenig Bedeutung zu geben. Ich habe versucht, mich von ihm zu distanzieren – aus Scham, aus Gewohnheit, aus dem Wunsch heraus, mich anzupassen.
Erst vor wenigen Monaten, mit 27 Jahren, sechzehn Jahre nach meiner ersten Periode, habe ich mein Blut zum ersten Mal wirklich gesehen: in einer Menstruationstasse.
Was mich dabei am meisten überraschte, war meine eigene Reaktion.
Keine Abscheu. Keine Scham. Kein Gefühl von Peinlichkeit oder Last.
Stattdessen empfand ich zum ersten Mal eine tiefe Verbundenheit mit meinem Körper.
Warum ist das so?
Warum verstecken wir diesen Teil von uns? Warum empfinden wir Ekel? Warum versuchen wir sogar, ihn zum Verschwinden zu bringen?
Dabei macht uns dieser Prozess so deutlich sichtbar, was in unserem Körper geschieht. Er gibt Hinweise auf Gesundheit, auf Veränderung, auf Leben. Er ist Ausdruck von Kraft und ein wesentlicher Teil unseres Seins.
Die dahinterliegende Systematik erscheint mir heute deutlich: Frauen* wurden und werden dazu gebracht, sich von ihren eigenen Körpern zu entfremden, ihre Bedürfnisse kleinzuhalten oder sie gar nicht erst wahrzunehmen.
Wenn wir ständig damit beschäftigt sind, uns anzupassen, uns zu verändern oder uns selbst abzulehnen, bleibt wenig Raum, die eigentlichen Strukturen zu hinterfragen. Mit unseren Körpern, unseren Unsicherheiten und unseren vermeintlichen Makeln wird Geld verdient. Wir bezahlen dafür, unsere natürlichen Prozesse zu verbergen, zu kontrollieren oder unsichtbar zu machen.
Deshalb ist es für mich ein Akt des Widerstands, mich mit meinem Körper zu verbünden und ihn als kraftvoll, wertvoll und schön zu begreifen.
Denn wer den Zugang zur eigenen Kraft verliert, lässt sich leichter zum Schweigen bringen.
Diese Fotoserie entstand in dem Moment, in dem ich aufgehört habe, meinen Körper als etwas zu betrachten, das korrigiert, kaschiert oder kontrolliert werden muss.
Sie erzählt von Blut nicht als Makel, sondern als sichtbaren Teil von Weiblichkeit, Körperlichkeit, Leben und Widerstand.