Lars van Roosendaal / Verurteilung | Condemnation
- Regulärer Preis
- €3.332,00
- Verkaufspreis
- €3.332,00
- Regulärer Preis
- 70 × 100 cm
- Acryl auf Leinwand, auf Keilrahmen aufgezogen
- 2017
Ein goldener, gesichtsloser, junger Mann steht gefesselt und nahezu entblößt auf einem brüchigen Weg, der sich durch eine toxische, von Abgründen durchzogene Höllenlandschaft windet. Der Körper ist bis auf eine Unterhose nackt; die Fesseln an Hals, Händen und Füßen verankern eine visuell übersetzte Scham im felsigen Boden.
Die Komposition thematisiert ein Spannungsfeld aus Begehren und Bedrohung, innerem Zweifel und äußerer Verurteilung. Zyklopische, phallisch anmutende Morchelgewächse fungieren dabei als doppelte Projektionsflächen: Sie visualisieren einerseits fremde Sexualität, andererseits die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Der überdimensionierte Phallus wird als Symbol für Macht, Begehren und Ausschluss inszeniert – abgöttisch überhöht und zugleich Quelle tiefsitzender Unsicherheit innerhalb maskuliner Sexualität.
Verurteilung / Condemnation untersucht die Angst, einer Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein, die queer gelesene Personen auf ihre Sexualität reduziert. Körperlose, zeigende Finger veranschaulichen Mechanismen von Zuschreibung, Erwartung und Kontrolle. Die schwebenden, allgegenwärtigen Augen verdeutlichen eine Form permanenter Sichtbarkeit, gespeist aus Lust, Bewertung und sozialer Überwachung.
Auch die Selbstwahrnehmung wird verhandelt: das eigene Begehren, das eigene Fleisch, das eigene Genital. Was konstituieren Sexualität und Körperbild im Spiegel der Anderen? Die Fesselung dient als Metapher für internalisierte Gewaltverhältnisse – für ein entfremdetes Verhältnis zu einem Körper, der durch heteronormative Gesellschaftsstrukturen ebenso beansprucht wird wie durch eine phallozentrierte, übersexualisierte Schwulenkultur. Das Werk macht eine Erfahrung der Verlorenheit sichtbar – ein existenzielles Ausgeliefertsein in einer Welt ohne verlässlichen Schutzraum. Es rückt Einsamkeit, Projektion, soziale Härte und die fragile Möglichkeit von Selbstbehauptung ins Zentrum der Darstellung.
Verurteilung / Condemnation versteht sich nicht als Ausdruck individueller Schwäche, sondern als präzise visuelle Analyse struktureller Machtverhältnisse – zwischen Norm und Abweichung, Selbstbild und Fremdwahrnehmung. Die Arbeit bildet zusammen mit Verbindung / Connection und Verbreitung / Contagion ein Triptychon – drei Zustände im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, Identität und Auflösung, Selbstschutz und Kontakt.