Sammlung: Paula Debkowska
Paula Debkowska ist eine polnische Künstlerin, die im Vereinigten Königreich lebt und arbeitet und derzeit in Warrington ansässig ist. Als ältestes von vier Kindern geboren, führte sie ein eher nomadisches Leben und zog wie eine streunende Katze durch die Welt, bevor sie sich schließlich 2006 in England niederließ.
Schon immer fühlte sie sich zur kreativen Arbeit hingezogen. Ihre frühesten künstlerischen Einflüsse waren japanische Manga und Anime, begleitet von einer lebenslangen Faszination für das Zeichnen von Tieren. In den vergangenen zehn Jahren widmete sie sich intensiv der Entwicklung ihrer künstlerischen Praxis – durch eigenständige Recherche, Online-Kunstgemeinschaften, die Auseinandersetzung mit den Arbeitsprozessen anderer Künstlerinnen und Künstler und vor allem durch kontinuierliches Experimentieren und Üben. Dieser Weg führte sie schließlich dazu, ihre Kunst professionell zu verfolgen. Zu ihren jüngeren Einflüssen zählen Hajime Sorayama und Olivia de Berardinis, deren unverwechselbare Herangehensweisen an den menschlichen Körper, Glamour und Sinnlichkeit sie besonders ansprechen.
Sie arbeitet hauptsächlich mit Öl auf Leinwand sowie mit Aquarell und Tusche auf Papier. In ihrer figurativen, hyperrealistischen Bildsprache setzt sie sich mit Sinnlichkeit, Intimität, Begehren, Erotik und BDSM auseinander. Besonders fasziniert sie die visuelle Darstellung des Gefühls, geliebt, begehrt und selbstbestimmt zu sein. Gleichzeitig erkundet sie die spielerischen, unkonventionellen und bisweilen provokanten Facetten von Sexualität und Identität. Leuchtende, expressive Farben finden häufig Eingang in ihre Arbeiten und bilden einen spannungsvollen Kontrast zum Realismus und zur Intimität der dargestellten Figuren.
Ihre Beziehung zum menschlichen Körper wurde auf unerwartete Weise geprägt. Nachdem sie in zwei früheren Bürojobs Mobbing erlebt hatte, begann sie nach einer völlig neuen Richtung zu suchen und fand sich schließlich in der Arbeit als Lapdancerin wieder. Diese Erfahrung stellte ihre Vorstellungen von Schönheit und vom weiblichen Körper grundlegend infrage. Sie begegnete Frauen jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Körperformen und -größen und lernte dadurch die außergewöhnliche Vielfalt menschlicher Körper und individueller Ausdrucksformen von Weiblichkeit zu schätzen. Diese Erfahrung wurde zu einem wichtigen Einfluss auf ihre künstlerische Praxis und ihr Interesse an der Darstellung des menschlichen Körpers, insbesondere durch sinnliche Bildsprache und Lingerie.
Im Laufe ihres Lebens erlebte sie immer wieder den gesellschaftlichen Druck, das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmte – er sei zu dünn, zu groß oder etwas, für das man sich schämen müsse. Ihre Kunst ist zu einer Möglichkeit geworden, diese Erzählung zurückzuerobern. Durch sinnliche und erotische Darstellungen setzt sie sich mit Sexualität, Selbstbewusstsein, Verletzlichkeit und Selbstakzeptanz auseinander und feiert den Körper als etwas Schönes, anstatt ihn als etwas zu betrachten, das versteckt oder beurteilt werden sollte.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt derzeit überwiegend auf der Darstellung des weiblichen Körpers, während sich ihre künstlerische Praxis zunehmend auf eine größere Vielfalt von Geschlechtern und Identitäten ausweitet. Besonders wichtig sind ihr queere Perspektiven, Individualität und die Freiheit des persönlichen Ausdrucks. Sie möchte Kunst schaffen, die einschränkende Vorstellungen von Schönheit, Sexualität und Identität hinterfragt.
Neben ihrer kreativen Auseinandersetzung mit diesen Themen legt sie großen Wert darauf, intime und BDSM-bezogene Inhalte mit Respekt und Integrität zu behandeln. Sie verpflichtet sich zu einer ethischen Zusammenarbeit mit ihren Modellen und möchte Sexualität, Intimität und Macht auf eine Weise darstellen, die die Individualität, Selbstbestimmung und Würde der dargestellten Personen anerkennt.
Letztlich geht es in ihrer Arbeit um Verbindung: um den Wunsch, gesehen, begehrt, akzeptiert und selbstbestimmt zu sein. Durch hyperrealistische Figuren, expressive Farben und intime Bildthemen lädt sie die Betrachtenden dazu ein, die Schönheit und Komplexität des menschlichen Körpers zu betrachten – und zugleich zu hinterfragen, warum Sinnlichkeit und Sexualität so häufig als etwas behandelt werden, für das man sich schämen sollte.
Ihre Arbeit ist eine fortlaufende Auseinandersetzung mit Körpern, Identität, Begehren und Freiheit – getragen von der Überzeugung, dass Schönheit darin liegt, anzunehmen, wer wir sind, und die Freiheit zu haben, selbst zu entscheiden, wie wir uns ausdrücken.