Sammlung: Auguste Friedrich

Auguste Friedrich nutzt die Fotografie als Form der Begegnung. Seine Bilder entstehen nicht aus der Distanz, sondern im unmittelbaren Austausch. Er sucht nicht nach der perfekten Pose, sondern nach einer direkten, unaufgeregten Präsenz – jenen Momenten, in denen Schutzschichten fallen, die Kamera in den Hintergrund tritt und Vertrauen spürbar wird.

Sein Weg zur Fotografie ist eng mit der Erfahrung verknüpft, in der deutschen Provinz als Außenseiter aufgewachsen zu sein. Das genaue Beobachten wurde für ihn früh zu einer Form der Orientierung und Dekonstruktion seiner Umwelt. Die Bildsprache der 90er-Jahre und die Energie des Musikfernsehens boten ihm dabei einen entscheidenden Zufluchtsort – eine Welt, in der Identität fließend und neu verhandelbar schien. Diese Einflüsse klingen bis heute in der spielerischen, oft analog geprägten Ästhetik seiner Arbeiten nach.

Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Sichtbarkeit queerer Identitäten. Unter dem Leitmotiv der „Queer Superpowers“ porträtiert Friedrich die leise Kraft derer, die sich jenseits der Norm bewegen. Dabei geht es ihm weniger um plakative Stärke, sondern um die Komplexität und radikale Ehrlichkeit, die in der Verletzlichkeit liegt.

Seine Wahlheimat Berlin dient ihm dabei als Resonanzraum:
„Die Stadt kann sich roh, direkt und manchmal kaputt anfühlen, aber sie erlaubt eben auch diese sehr weichen, stillen Momente.“

Diese Ambivalenz spiegelt sich in seinem Werk wider, das sich mühelos zwischen unmittelbarer Erotik und sanfter Intimität bewegt. In einem sex-positiven Kontext schafft er Räume, in denen Individualität jenseits von Performance existieren kann.

Friedrichs Arbeiten sind eine Einladung, Nähe und Identität unverstellt zu betrachten. Durch viel Austausch und Gespräche am Set lässt er seine Gegenüber bei sich selbst ankommen, bevor er den Auslöser drückt. Bei aller emotionalen Direktheit bewahrt er sich stets ein Augenzwinkern; er begegnet seinen Motiven mit einer Leichtigkeit, die zeigt, dass Tiefe, Humor und Begehren zusammengehören.

Auguste Friedrich lebt und arbeitet in Berlin.

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