Lars van Roosendaal / Verbreitung | Contagion

Regulärer Preis
€2.737,00
Verkaufspreis
€2.737,00
Regulärer Preis

  • 33 × 50 cm
  • Acryl auf schwerem Aquarellpapier
  • 2019

In glühendem Rot liegt eine Figur in Kobaltblau: nackt, jung, schutzlos. Sie ist umgeben von einer dichten, beinahe übermächtigen Menge entindividualisierter Körper. Silhouetten und übergroße Hände – greifend oder starr vor Entsetzen – rahmen die Szene ein. Die als einzige liegende Figur erscheint wie ein Neuzugang
in einem zeremoniellen Kreis: Frischfleisch, eine fremdartige Energiequelle, ein Objekt der Begierde.

Was zunächst wie eine Initiierung wirkt – eine symbolische Aufnahme in eine gesellschaftlich geächtete, zugleich aber vom Betroffenen begehrte Gemeinschaft –, offenbart sich als möglicher Übergriff. Die übergroßen Wesen starren gebannt – nicht aus Empathie, sondern aus Gier, Faszination und sexuellem Hunger. Es ist ein Moment geladener Ambivalenz: zwischen Kontakt und Kontrollverlust, zwischen Anziehung und Bedrohung, zwischen Verbindung und Ansteckung.

Verbreitung / Contagion thematisiert die Angst vor Kontrollverlust: vor Vereinnahmung durch ein Kollektiv, vor der Unberechenbarkeit sexuellen Begehrens, vor dem Ausgeliefertsein. Die Arbeit berührt gesellschaftliche Themen wie HIV, sexualisierte Machtverhältnisse und Gruppendynamiken – aber auch intime Fragen nach Reinheit, Verletzlichkeit und der Dialektik von Berührung, körperlichem Austausch und Gefahr.

Die Szene ist rituell aufgeladen – eine kollektive Choreografie, in der Grenzen verschwimmen: zwischen freiwilliger Hingabe und struktureller Überwältigung, zwischen Sehnsucht und Projektion, zwischen Realität und Übergriff. Die übergroßen Hände stehen zugleich für Schutz und Vereinnahmung – sie symbolisieren Machtverhältnisse, kollektive Schuld und das Unausgesprochene, das dennoch spürbar bleibt. 

Das Bild spricht von Entgrenzung und Entmenschlichung, aber auch von tiefer Sehnsucht nach Zugehörigkeit – und der Angst, sich darin aufzulösen. Es konfrontiert mit gesellschaftlich und individuell geprägten Vorstellungen von Reinheit und Gefahr, Intimität und Bedrohung, Körper und Kollektiv. Die expressiven Kontraste zwischen kühlem Blau und glühendem Rot – einer Farbe, die für Blut, Gefahr und das schummrige Licht in Darkrooms steht –, sowie zwischen Licht und Dunkelheit, verstärken die emotionale Spannung. Die Körper bleiben bewusst unscharf – Schattenwesen zwischen Realität und Projektion.

Diese Arbeit ist Teil eines Triptychons, gemeinsam mit Verbindung / Connection und Verurteilung / Condemnation – drei Zustände im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz, Identität und Auflösung, Selbstschutz und Kontakt.

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